Zuerst die Arbeit, dann.....

das Vergnügen, oder? Wir kennen diesen Spruch und viele von uns sogar so gut, dass sie danach leben. Ein Spruch mit - leider - fataler Wirkung: Denn Arbeit gibt es immer, das heißt die Pause und das Vergnügen bleiben oft auf der Strecke - werden also wenn überhaupt sehr kurz gehalten. 

 

Vor kurzem hatte ich ein Seminar in einem Unternehmen, da haben die Mitarbeiter einstimmig behauptet, in ihrer Firma ginge es nicht, zwischen zwei Meetings eine Pause zu machen, das sei organisatorisch unmöglich. 

Witzigerweise haben wir in der noch immer vorherrschenden Leistungsgesellschaft gelernt, dass Pausen und kurz mal ausruhen was ist? Richtig - faul. "Jetzt lieg nicht so faul herum, mach was!" "Hast du keine Hausübung zu machen, fernsehen kannst du später", kennen manche von uns vielleicht aus der Schulzeit. Dabei ist es für unser Nervensystem gerade zu notwendig, regelmäßige Pausen zu bekommen, denn leisten wir andauernd mehr als wir uns erholen, kippt unser System - und das spüren wir dann körperlich - unser Immunsystem wird geschwächt, wir werden krank.

 

die reise zum glück

Aber soweit muss es wirklich nicht kommen - es wäre so einfach. Die Faustregel heißt: 50 : 50. Leistung und Erholung müssen im Ausgleich sein - das bedeutet nicht, dass wir 12h Schlaf pro Tag benötigen, aber 12h am Tag sollten wir in der Erholung sein. 

 

Heute verrate ich dir Tipps auf der Reise zum Glück, wie du Genuss und Entspannung in Form von Pausen gut in dein Leben integrieren kannst und dabei mehr Lebensfreude empfindest. Letztens habe ich einen tollen Artikel in Psychologie Heute gelesen. In diesem wurden Forschungen zum Thema “hedonic success" oder auf Deutsch - Lusterfolg und “Genussfähigkeit” von Daniela Becker und Katharina Bernecker aufgezeigt. Der Artikel hat mich zum Nachdenken gebracht und ich möchte gerne meine Erkenntnisse mit Dir teilen. 

 

Lass uns in die Glücks-Reise mit einer kleinen Story eintauchen:

Zwei Freundinnen, Anna und Klara - Psychologiestudentinnen, haben eine wichtige Prüfung in wenigen Tagen und gehen heute auf eine Party. Aus einem gewissen Grund: Sie haben genug gelernt und möchten ein wenig Entspannung vor der Prüfung erleben. Anna genießt die Party, sie unterhält sich gut, trinkt 1 - 2 Gläser Wein, tanzt zu guter Musik und empfindet Freude dabei. Anschließend geht sie zufrieden nach Hause.

 

Klara macht genau dasselbe, jedoch mit einem Unterschied: Sie denkt an ihre Prüfung und das Kapitel im Prüfungsstoff, welches sie noch mal wiederholen möchte. Es fühlt sich an wie ein Teufelskreis an Gedanken, sie kann auch den Moment überhaupt nicht genießen, obwohl sie es doch so sehr versucht. Statt nach Hause zu gehen, trinkt sie viel, tanzt und bleibt bis zum Schluss. Am nächsten Tag ist sie verkatert, wacht spät auf & bereut den Abend. - Entspannungs-Mission failed!

 

Der Unterschied zwischen den zwei Freundinnen und deren Mindsets ist ersichtlich. Doch was hätte Klara am besten anders machen können, um den Abend genießen zu können und sich somit eine Pause zu geben? 

 

Die Idee: Die kognitive defusion

Es gibt da etwas Besonderes, namens: Kognitive Defusion - stammt aus der Akzeptanz- und Commitmenttherapie. 

 

1. Der erste Schritt für Klara wäre gewesen: Die Gedanken zu beobachten - quasi aus der Vogelperspektive - heraus zu zoomen und von außen zu betrachten. 

2. Next Step: Klara hätte die Gedanken benennen können, um sich dann von ihnen zu lösen. 

3. Finaler Schritt: Ist eine praktische Übung - Den störenden Gedanken in Form einer “lustigen, schrillen Comicfigur-Stimme” im Kopf vorzustellen - denn dadurch kann Klara sich von diesem Gedanken lösen & distanzieren und vielleicht sogar darüber zu lächeln. 🙂

 

 

Die Methodik der kognitiven Defusion, ist ein sehr feines Tool, um einerseits dem negativen Gedanken nicht so eine starke Gewichtung zu geben und andererseits sich nachhaltig von negativen Glaubenssätzen oder hinderlichen Gedanken zu befreien. 

 

einmal auftanken bitte!

Manch einer denkt sich vielleicht nun anhand der Geschichte, wieso gehen Klara und Anna überhaupt auf eine Party? Das macht man doch dann als Belohnung, wenn man die Prüfung bestanden hat, oder? Und genau darum geht es auf unserer Reise zum Glück heute. 

 

Denn bisher stützte sich die Philosophie auf zwei Arten von Glück. Einerseits gibt es den schnellen, unmittelbaren Genuss und auf der anderen Seite die langfristige Glückseligkeit. Und die Forschung fokussierte zumeist die langfristige Glückseligkeit, wohingegen der schnelle, unmittelbare Genuss abgelehnt wurde. Doch was, wenn Forschungen neuerdings berichten, dass es wichtig sei, ein wenig zu naschen, ab und an, die 30 Minuten am Sofa zu liegen und der kurze Spaziergang im Park dazu beitragen, gelassener und lebensfroher zu sein? Ich glaube du merkst schon, worauf ich hinaus möchte. 🙂

 

Es geht um die “Fähigkeit zum kleinen Alltagsglück oder auf Englisch: trait hedonic capacity (THC)”. Denn Bernecker und Becker berichten, dass diese Fähigkeit deutlich mehr dazu beiträgt, Lebenszufriedenheit und Wohlbefinden zu verspüren - wir sind sozusagen wieder im Ausgleich - reine Leistung, die am Ende belohnt wird, trägt eben nicht zu diesem Ausgleich, zu diesem Wohlbefinden bei. 

 

Die kleinen freuden - ein genuss

Wie können wir nun in unserem Leben Genuss etablieren, um glücklicher zu sein und nicht immer einem Erfolgserlebnis nachzulaufen, sondern im Hier und Jetzt zu leben? Sabine Sonnentag, Psychologin, verrät im Artikel der Zeitschrift: Psychologie Heute - 6 Techniken hierzu:

 

1. Nach der Arbeit am Freitagabend, tausche doch direkt dein Business Outfit in eine gemütliche Freizeitbekleidung. Das symbolisiert “Es ist Feierabend!”

2. Suche dir ein immersives Hobby: bedeutet ein Hobby, welches mehrere Sinne anspricht. Je fokussierter und begeisterter wir von etwas sind, desto besser können wir auch abschalten.

3. Die altbekannte Meditation oder progressive Muskelentspannung

4. Triff dich mit FreundInnen - der Kontakt mit lieben Menschen, die außerhalb des Büros anzutreffen sind, kann zu tollen bereichernden Gesprächen führen und auf andere Gedanken bringen.

5. Am Wochenende, falls möglich, das Diensthandy abschalten.

6. Eine tolle Reframing Übung: Statt zu sagen: "Ich habe so viel Unerledigtes in der Arbeit” - Nimm es mit einem Augenzwinkern und sage “Auf mich warten künftig neue Abenteuer”.

 

Special Tipp:

Erkenne das Besondere in alltäglichen Situationen. - In jedem Moment gibt es etwas Positives. 

 

Falls du dir nun denkst, dass dich Klara, von der oben erwähnten Geschichte, anspricht - dann kann ich dir vergewissern: Genießen kann man Lernen! 🙂

 

Probier es doch einfach einmal mit den 6 Techniken, du kannst mir gerne berichten, welche du gewählt hast und wie sich deine Denkweise verändert hat - sodass Entspannung in deinem Leben zu etwas Besonderem gemacht wird.

 

Alles Liebe und ich wünsche dir ein Genussvolles Wochenende,

Regina

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