Hand aufs Herz: Welche Gedanken und Gefühle kommen bei Dir auf, wenn Du das Wort Fehler hörst? Positiv oder eher nicht? Und erlaubst du dir, Fehler zu machen? Oder bist du eher im "Fehler-Vermeiden-Modus"? Dann habe ich im folgenden Blogbeitrag einige hilfreiche Tipps und Tools für dich, wie du das Thema neu beleuchten kannst.
Leider haben wir häufig schon in den Kinderschuhen mitbekommen, dass Fehler machen etwas Schlechtes ist. Oder besser gesagt: sehr ambivalente Informationen: einerseits hören wir ja "Aus Fehlern lernt man.", aber andererseits erleben wir existenziell bedrohliche Situationen, wenn wir z.B. in der Schule Fehler machen - im Schlimmsten Fall eine schlechte Note bis hin zu einem Ausschluss aus der Gruppe. Dadurch werden natürlich jedes Mal unsere negativen Glaubenssätze über Fehler verstärkt - bis wir letztendlich alles tun, um Fehler zu vermeiden. Eine fatale Entscheidung, denn es ist wirklich UNMÖGLICH, ohne Fehler zu machen, zu lernen oder sich selbst weiterzuentwickeln.
Umwege erhöhen die ortskenntnis
Einer meiner Lieblingssprüche lautet: Umwege erhöhen die Ortskenntnis. Und Fehler sind eben genau solche Umwege. Fehler sind Umwege, die uns dabei unterstützen herauszufinden, welcher Weg richtig für uns ist und welchen wir nicht mehr begehen wollen. Fehler werden oft deshalb auch negativ gesehen, weil wir denken, dass sie uns aufhalten. Sie sind jedoch vielmehr Hinweise des Lebens – kleine Wegweiser, die uns zeigen, wo wir genauer hinsehen dürfen. Ich erlebe diese Scheue vor Fehler häufig in Seminaren oder Lehrgängen: Ein neue Methode wird von mir erklärt und die Teilnehmer sind begeistert, diese gleich anzuwenden. Doch dann der Moment, in dem sie erkennen, dass es nicht so reibungslos klappt - Verzweiflung, Ärger, usw. machen sich breit. Und ich? Ich freue mich über jeden "Fehler", den ein Teilnehmer/eine Teilnehmerin macht, weil wir so unendlich viel daraus lernen - und am meisten die Person selbst. Auf einmal wird klar, worauf es beim Anwenden der Methode wirklich ankommt - etwas, was vielleicht ohne den Fehler gar nicht beachtet worden wäre. Wir werden also um ein vielfaches besser, wenn wir Fehler machen. Viele Menschen erleben Fehler dennoch als Versagen, als Makel oder als Schwäche. Doch in Wahrheit tragen sie ein enormes Wachstumspotenzial in sich.
Berühmte Fehler
Ich zeige dir sogar 3 Beispiele, wo Fehler zu einem großartigen Erfolgen wurden:
Penicillin wurde 1928 zufällig vom britischen Forscher Alexander Fleming entdeckt. Nach seinem Urlaub fand er in seinem Labor eine Petrischale mit Staphylokokken-Bakterien, die von einem Schimmelpilz befallen war – und bemerkte, dass um den Schimmel herum keine Bakterien wuchsen. Fleming hatte eigentlich mit den Bakterien arbeiten wollen und dachte zuerst, sein Experiment sei gescheitert, weil die Schale „kontaminiert“ war. Erst später erkannte er, dass der Schimmel ein antibakterielles Mittel abgab: Penicillin. Zunächst hielten viele Experten und Fleming selbst die Entdeckung für einen Labor Kuriosität, da die Isolierung von Penicillin lange nicht gelang.
Auch Post-its waren ein angeblicher Fehlschlag: 1968 versuchte der 3M-Forscher Spencer Silver, einen superstarken Kleber zu entwickeln – und erhielt stattdessen einen sehr schwachen, der fast nichts richtig festklebte. Jahre später kam sein Kollege Art Fry auf die Idee, den Kleber auf Papierstreifen zu nutzen, damit Lesezeichen in seinem Kirchenbuch nicht rausrutschten. Aus diesem „Missgeschick“ entstand der praktische Klebezettel, der heute millionenfach verwendet wird.
Noch ein Klassiker: Mikrowelle - eine Erfindung aus einem Fehler ist die Mikrowelle: Percy Spencer arbeitete an Radargeräten, als er in den 1940ern bemerkte, dass ein Schokoriegel in seiner Tasche schmolz, weil er zu nahe an einem Magnetron stand. Aus dieser Beobachtung entwickelte er den ersten Mikrowellenherd.
Die Liste ließe sich noch fortsetzen, aber ich denke, es wird durch diese Beispiele klar, dass wir nicht jeden von uns bewerteten Fehler immer gleich als solchen sehen müssen. Viktor Frankl hat dazu ein wunderbares Akronym entwickelt, das sich auch in solchen Fehlermomenten wirklich gut anwenden lässt: WIDEG - also die Frage: Wofür Ist Das Eine Gelegenheit? Wenn ich mir diese Frage stelle, dann richte ich den Fokus beim Fehler sofort auf die Chance für Entwicklung - also viel hilfreicher und stärkender für mich, als mich dafür zu verurteilen.
Fehler bringen uns in Kontakt mit uns selbst. Sie zeigen uns nicht nur, was vielleicht nicht gut funktioniert, sondern auch, wer wir sind, welche Muster wir leben und wo wir uns weiterentwickeln möchten. In meinen Coachings erlebe ich immer wieder, wie befreiend es für Menschen ist, wenn sie sich erlauben, Fehler als Lernimpulse zu sehen. Nicht der Fehler selbst hinterlässt die tiefste Spur – sondern die Art, wie wir dann mit uns umgehen.
Fehlertoleranz lässt sich lernen
Wenn wir beginnen, Fehler als Teil unserer Entwicklung anzunehmen, öffnen wir die Tür zu mehr Leichtigkeit, Selbstwert und innerer Balance. Fehler erinnern uns daran, dass wir Menschen sind: neugierig, impulsiv, fühlend und immer im Wandel. Und genau deshalb habe ich zum Abschluss 3 Tipps & Tools für dich, wie du aus Fehlern, Kraft schöpfen kannst:
1. Das „Innere Gespräch“ – Sprich liebevoll mit dir
Viele Menschen sind im Umgang mit sich selbst strenger als mit jedem anderen. Nach einem Fehler setzt sofort der innere Kritiker ein: „Das hättest du besser wissen müssen.“ „Immer passiert dir so etwas.“ Doch wenn wir uns ehrlich sind, wann war das negative Selbstgespräch jemals förderlich? Es nimmt uns eher Energie und blockiert die Fähigkeit, klar zu reflektieren. Daher eine Übung:
● Erinnere dich an einen „Fehler“
● Stell dir vor, eine gute Freundin hätte das Gleiche erlebt.
● Was würdest du ihr sagen?
● Genau diesen Satz sagst du jetzt zu dir selbst.
Mit Mitgefühl entsteht Raum für Erkenntnis.
2. Fehlerjournal – Der Blick für das Geschenk
Ein Fehlerjournal ist ein einfaches, aber äußerst wirkungsvolles Tool. Es hilft, den Fokus auf das Positive zu lenken, ohne das Erlebte wegzudrücken. So funktioniert es:
Schreibe nach einem Fehler drei kurze Sätze:
1. Was ist passiert?
2. Wie habe ich mich gefühlt?
3. Was habe ich daraus gelernt oder entdeckt? (WIDEG)
Das Journal wirkt wie eine innere Sammlung von Erkenntnissen. Mit der Zeit erkennst du: Jeder Fehler hinterlässt eine Spur von Weisheit.
3. Körperwahrnehmung – Die Botschaft hinter dem Gefühl
Die meisten Fehler lösen körperliche Reaktionen aus – Druck im Bauch, Enge in der Brust, Hitze im Gesicht. Viele möchten diese Gefühle wegdrücken. Doch genau hier liegt ein kraftvolles Lernfeld.
Mini-Tool:
● Nimm dir 30 Sekunden.
● Lege eine Hand an die Stelle, wo du die Reaktion spürst.
● Atme dorthin.
● Sag innerlich: „Ich spüre dich. Und ich bin da.“
Diese kleine Geste reguliert das Nervensystem und bringt dich zurück in deine Mitte. Erst dann, durch Entspannung, wird das Lernen möglich.
Wenn wir Fehler als Kompass sehen, verlieren sie ihren Schrecken. Sie zeigen uns Authentizität, Mut und Menschlichkeit. Perfektion trennt uns voneinander – Fehler verbinden uns. Erlaube dir, zu lernen, zu wachsen und dich zu entwickeln. Denn jeder Fehler trägt eine Botschaft, die uns feinfühlig und bewusst durchs Leben führen kann.
Alles Liebe, Deine Regina
